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Sommermusik - male Seelen

Kultur - 16.11.2017 um 20:00 Uhr

Franz Schrekers „entartete“ Opern, ein musikdramatisches Bühnen-Experiment

Eines der ersten Opfer des deutschen Rassenwahns und seiner kulturellen Ignoranz! Franz Schreker (1878–1934) galt noch in den 1920er Jahren als bedeutendster Opernkomponist in Deutschland nach Wagner. Seine spätromantische musikalische Sprache weist bereits expressionistische Elemente auf, charakteristisch  die ständige harmonische Fluktuation mit irisierenden Akkorden. Zeitweise erreichten seine Opern sogar höhere Aufführungszahlen als die von Richard Strauss. Beeinflusst von der noch jungen Psychoanalyse Siegmund Freuds und nicht zuletzt deshalb durch die Nazis als „entartet“ diffamiert, geriet Schreker nach 1933 beinahe in Vergessenheit und ist bis heute einem größeren Publikum kaum bekannt. In den eigenen Opernlibretti zeichnet er schonungslose seelische Portraits, teilweise mit autobiographischen Bezügen. Inhaltlich kreisen sie um die Erweiterung des Horizonts gewohnter Erfahrungen. Vision, Traum, Märchen, Legenden dienen dazu, Erlebnisse und Gefühle zu gestalten, die über die Alltagsrealität hinausreichen: „Am liebsten male ich Seelen“, singt die lebensferne Carlotta in „Die Gezeichneten“ vor ihrer Staffelei, bevor sie als Sexualopfer einer pervers-dekadenten Jugendelite den Tod findet.

– Das musikdramatische Bühnen-Experiment „male Seelen“ stellt Opern der Epoche aus (musikalische Leitung, Klavier: N.N.). Der jungen, bereits mehrfach am SST engagierten Sopranistin Lisa Stroeckens und dem Tenor Ralf Peter (auch Konzeption) öffnen sich eigentümliche szenische Räume – äußere und innere. / Eigenproduktion des Ensembles für die Saarbrücker Sommermusik.

Kein Eintritt. Freie Platzwahl.